Ich wurde von einem Stupsen in die Seite geweckt. Das erste, was ich sah, als ich die Augen aufschlug, war Jules Bettelblick. Die blauen Augen weit aufgerissen, Runzeln auf der Stirn, Unterlippe raus. Das Witzige ist, dass sie diesen Blick nicht mit Absicht macht. "Kann ich deinen iPod haben?" Noch schlaftrunken und mit verklebten Augen griff ich nach dem iPod, der in dem Regal über meinem Bett lag. Jule strahlte und ich ließ mich in mein Kissen zurückfallen.
Auch eine halbe Stunde später weckte sie mich mit diesem Stupsen. Wahrscheinlich versuchte sie mich zu kitzeln, aber eigentlich tat es nur weh. "Was?", fragte ich, diesmal endgültig wach. "Willst du Simpsons gucken?" "Von mir aus", sagte sie und versuchte gleichgültig dreinzuschauen. "Dann steh auf und hol den Laptop", befahl ich. Sie hörte auf mich.
Wir guckten zwei Stunden, dann rief uns meine Mutter zum Frühstück. Jule wurde schon um zehn abgeholt, deswegen mussten wir uns beeilen. Als es klingelte, war Jule noch im Schlafanzug. Sie zog ihre Hose und ihr Oberteil einfach über ihn drüber und ging. "Deine Socken sehen aber komisch aus", sagte Jules Mutter zur Begrüßung. Kein Wunder, schließlich steckte ihre Schlafanzughose darin.
Mein Zimmer sah echt schrecklich aus. Und in einer Dreiviertelstunde kam unsere Familie! Ich schaffte es, mithilfe des letzten Rests Energiedrink, der noch neben meinem Laptop stand, mein Zimmer aufzuräumen, zu duschen und ein Foto nur so zum Spaß fast fertig zu bearbeiten. Leider überhörte ich dabei die Türklingel und kriegte fast einen Herzinfarkt, als ich Opas Stimme im Flur hörte. "Lila ist aber auch keine schöne Farbe für Zimmerwände. Das macht doch aggressiv!" Na toll. Ich hatte mein Zimmer gerade erst Violett gestrichen.
Wir aßen Kuchen, um die Zeit bis zum Mittagessen schneller vorbei zu kriegen. Irgendwann beschlossen Papa und Opa, dass jetzt Zeit für einen Spaziergang sei. Und so pressten wir uns alle in zwei Autos und fuhren zu einem Berg, auf den wir steigen sollten, während Papa uns die langweilige Geschichte der Umgebung und insgesamt von allem erzählte. Ich betete, dass bald irgendwer aufs Klo müsse oder das irgendetwas passieren würde, was den Spaziergang versauen würde. Und, als hätte Gott mich gehört, fing es plötzlich, wir waren noch keine hundert Meter weit gekommen, an zu regnen. Wir flüchteten uns in die Autos. Vielleicht eine halbe Stunde später hörte es auf zu schütten und alle gingen los. Ich blieb noch ein bisschen im Auto, um Wärme zu tanken und bemerkte, dass Papa abgeschlossen hatte. Perfekt! Also saß ich im Warmen, las ein Buch durch und hörte Musik, während meine Familie sich durch die Kälte quälte.
Zwei Stunden später saßen wir im Restaurant, mitten im Innenhafen, und ich aß die größte Currywurst meines Lebens. Inzwischen schien die Sonne und die Erwachsenen entschieden sich für einen "Verdauungsspaziergang". Paula und ich spritzten uns nass, stritten uns und vertrugen uns wieder. Dann fuhren wir nach Hause, wo ich noch stundenlang am Computer saß, bis jetzt.
Es tut mir Leid, dass die Beschreibung von meinem Tag eher wie eine Zusammenfassung klingt, aber mein Vater schaltet jetzt das Internet aus und deswegen musste ich mich beeilen. Ich versuche, meinen Tag morgen detaillierter zu beschreiben.
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